• Christine Eder

Pflegenotstand – aber kein Ausbau der mobilen Pflege in Sicht?




Wie vielen TirolerInnen bekannt sein dürfte, herrscht in gewissen Regionen eine prekäre Situation in der Pflege und dies schon lange vor der Corona Krise.

2017 haben wir den Verein „Gsund & Lebenswert“ gegründet, um als zusätzlicher aktiver Dienstleister einen Beitrag in der Gesellschaft zu leisten, die Versorgungssituation der pflegebedürftigen Menschen zu Hause zu verbessern und pflegende oft berufstätige Angehörige zu unterstützen.

Schon in der Gründungsphase unseres Vereins wurde das Ansuchen beim Land Tirol auf finanzielle Unterstützung unserer Patienten abgelehnt mit der Begründung, dass „derzeit kein Bedarf an Ausbau der mobilen Pflege besteht“ (siehe Zeitungsbericht https://www.tt.com/artikel/14138447/verein-schliesst-luecke-in-hauskrankenpflege ), obwohl sich schon damals die Fälle häuften, dass Patienten zu Hause nicht ausreichend versorgt werden konnten, da die Kapazitäten der mobilen Pflegedienste am Anschlag waren und Menschen dadurch oft länger im Krankenhaus betreut werden mussten als unbedingt notwendig.

Die Corona Krise hat die Situation zunehmend verschärft. In den Medien wird nun offen darüber berichtet, wie überlastet die Spitäler und Pflegeheime sind, Betten werden gesperrt, Patientenaufnahmestopps verhängt, das Gesundheitspersonal ist überarbeitet, einge im Burnout und manche verlassen sogar ihren Job. Nichtsdestotrotz musste bei unserem zweiten Ansuchen im Sommer 2022 ernüchternd festgestellt werden, dass sich die Meinung im Land trotz Corona leider nicht geändert hat.


„Das Land Tirol ist grundsätzlich mit den Leistungserbringern, mit welchen eine Direktverrechnungsvereinbarung über die mobile Pflege und Betreuung besteht, gut aufgestellt und entsprechen diese auch dem Strukturplan Pflege. Tirol verfügt über ein flächendeckendes System an mobilen Pflege- und Betreuungsorganisationen, das diese Dienste zur Zufriedenheit der Auftraggeber (Land und Gemeinden) anbietet und abwickelt. Es ist derzeit nicht angedacht, im Bereich der mobilen Pflege und Betreuung Vereinbarungen mit zusätzlichen Anbietern abzuschließen.“ (E-Mail vom 08.06.2022, Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Soziales)


Obwohl „der Hut brennt“ werden keine weiteren Förderverträge mit bestehenden Dienstleistern eingegangen. Das heißt, wer sich die Pflege privat nicht leisten kann, hat Pech gehabt oder muss warten bis sich die Kapazitäten erholt haben.


Der Bedarf an mobiler Pflege steigt stetig an – das Land braucht dringend mehr Gesundheits- und Krankenpflegepersonal - DOCH es sind (noch) Dienstleister da! Ich rede hier nicht nur von unserem Pflegeverein, ich rede auch von vielen anderen gemeinnützigen Institutionen und Vereinen, den freiberuflichen KollegInnen aus der Gesundheits- und Krankenpflege und anderen Menschen, die einen wertvollen Beitrag zur Versorgung der älteren und pflegebedürftigen Menschen in unserem Land beitragen können. Wir sind motivierte und tatkräftige Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, die gerne einen Dienst am Menschen leisten, mit Freude die Menschen zu Hause pflegen, betreuen und mithelfen, dass es unserer älteren Gesellschaft gut geht.

Wir sehen, wie unsere KollegInnen in den Krankenhäusern, Pflegeheimen und Sozialsprengeln ihr Bestes geben, zum Teil überlastet sind und zum Teil (trotz der schwierigen Bedingungen) über sich hinauswachsen! Wir wollen zusammenhelfen und ein Miteinander! Wir haben alle die selbe Motivation, pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen zu helfen und sie in ihrem Alltag ein stückweit zu begleiten. Wir können gemeinsam die Pflege verbessern!

Daher mein Appell an die Regierung: Wir können pflegen, wir können helfen, also lasst uns das auch tun! Schafft die gleichen finanziellen Förderungen für die Menschen, die Pflege benötigen! Es kann und darf nicht sein, dass es zu einer 2-Klassen-Pflege kommt, bei der die Hilfeleistung eine Frage des Einkommens ist!

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