• Christine Eder

Vom Segen Sterbende zu begleiten

Oft fragen mich Leute: Wie schaffst du das nur mit Sterbenden zu arbeiten? Wie gehst du damit um, ständig mit dem Tod konfrontiert zu sein? Wie kannst du da nur abschalten? Das wäre nichts für mich.




Um ganz ehrlich zu sein, die Begleitung von Menschen auf ihrem letzten Lebensweg ist für mich (und ich glaube meine Kollegen werden mir zustimmen) eine der schönsten und erfüllendsten Aufgaben, die ich mir vorstellen kann! Die Arbeit „am Sterbebett“ ist geprägt von einer solchen Magie und Tiefe, die ich auf keinen Fall mehr missen möchte. Es ist eine sehr feinfühlige und stille Arbeit. Selten kommt man in anderen Berufssparten Menschen so nahe wie hier. Ich berühre dabei nicht nur den Körper, wie es als Gesundheits-und Krankenschwester durch den Zeitdruck oftmals nicht anders möglich ist. Durch die tiefsinnigen Gespräche, die sich bei den Begleitungen oft ergeben oder die Momente der Stille berühre ich oftmals die Seele des Menschen bzw. werde selbst „in der Seele“ berührt. Wenn mir Patienten in den Monaten, Wochen oder Stunden ihres Lebensendes ihr Vertrauen schenken, ist es etwas Heiliges, dass ich nicht in Worte fassen kann.

Ich bin einfach nur dankbar für diese leisen Momente. Dankbar dafür, dass ich Menschen meine Hilfe anbieten kann, ihnen Halt geben kann, wenn sie unsicher sind oder Angst haben. Dankbar für jede Träne, die ich mit ihnen weinen kann und dankbar für jedes Lachen das ich mit ihnen teilen kann – und ehrlich gesagt oftmals lachen wir auch Tränen!



Klar gibt es auch Situationen, an denen mir wirklich zum Heulen zumute ist, Momente, in denen ich sprachlos bin oder Erlebnisse, die ich „mit nach Hause nehme“. Diese Momente gibt es, wenn auch selten. Ich glaube es ist wichtig, sich im Klaren zu sein, das ich auch nur ein Mensch bin. Anders gesehen wäre es wahrscheinlich unnatürlich oder gar unmenschlich wenn mir manche Dinge nicht nahe gehen würden. Klar fühle ich mit meinen Patienten und ihren Angehörigen mit. Das hilft mir auch in bestimmten Situationen, die richtigen Worte zu finden und die Beteiligten in ihren Aktionen oder in ihrem Rückzug zu verstehen. Jedoch leide ich nicht mit (oder wie gesagt, nur sehr selten). Würde ich mitleiden, wäre ich vermutlich keine gute Hilfe mehr.


Manche Menschen sehen ihr Leben am Ende sehr klar. Sie sind dabei oft erfüllt von einer unglaublichen Ruhe und Aura von Weisheit. Diese Menschen verdeutlichen mir immer wieder, wie kostbar unsere Lebzeit ist, wie dankbar ich für mein Dasein, meine Familie, Freunde und meine Gesundheit sein kann. Diese Momente machen mir wieder bewusst, wie gut es mir doch geht und wie banal meine alltäglichen Sorgen doch sind.

Einmal war ich gerade bei einer Patientin mit einer schwerwiegenden, bald zum Tode führenden Tumorerkrankung. Sie erzählte mir voller Betroffenheit von ihrer ehemaligen Nachbarin, die ebenfalls an einer terminalen Erkrankung litt. „Die arme Frau. Es steht wirklich sehr schlecht um sie. Sie wird wohl bald sterben müssen und hat nicht einmal mehr Angehörigen um sich, die sich um sie kümmern können. Vielleicht klingt das jetzt makaber, aber ich bin froh dass es mir so gut geht. Ich werde zwar auch bald sterben, aber ich habe einen liebevollen Mann und eine starken Sohn, die mir zur Seite stehen und mit mir den letzten Weg gemeinsam gehen. Ich habe keine Schmerzen und kann heute noch die Sonnenstrahlen genießen und draußen Zigarette rauchen. Mir geht es gut!“

Noch heute bekomme ich Gänsehaut und feuchte Augen wenn ich an diese liebe Patientin zurückdenke. Sie ist noch vor ihrer Nachbarin, ganz friedlich in den Armen ihres Ehemannes gestorben.

Danke Euch allen, die ich kennenlernen und begleiten durfte! Wo auch immer ihr jetzt seid, wir denken an euch. Und solange jemand an dich denkt, bist auch du nicht wirklich tot!

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